Archiv für den Monat: Januar 2015

Auf geht’s nach Brno!

Nächste Woche startet die BOBCATSSS in Brno – und wir sind mit dabei!

Seit 1993 gibt es das jährlich stattfindende internationale BOBCATSSS-Symposium der Bibliotheks- und Informationswissenschaften. BOBCATSSS steht für die Universitätsstädte, die zusammen die Gründung initiiert haben: Budapest, Oslo, Barcelona, ​​ Copenhagen, Amsterdam, Tampere, Stuttgart, Szombathely and Sheffield.

BOBCATSSS

BOBCATSSS-Website – Screenshot: Autorin

Dieses Mal findet das 23. Symposium in Brno statt und steht unter dem Motto „Design – Innovation – Participation“.

Unser Vortrag „Features for the future library“ findet gleich in der ersten Session am Mittwoch statt und behandelt folgende Aspekte:

„In the contribution “Features for the Future Library” the German project “mylibrARy” will be introduced, which is a cooperation project between the University of Applied Sciences in Potsdam, a public library in Berlin and one of the leading AR-software companies metaio GmbH from Munich. The conceptual process of a library AR-app will be presented as well as the results of a user study, which might give an answer to the question, what features of an app the library users want.
Furthermore the possibilities of AR-technology for libraries in general will be discussed and contextualized within the concept of a modern user-friendly library.“

Wir freuen und auf den Vortrag und einen spannenden Austausch mit den Teilnehmenden!

AR im Test – die Mayersche-App

Wie bereits zuvor beschrieben, öffnet sich auch die Verlagsbranche für die faszinierenden Möglichkeiten, die sich durch AR ergeben.

Die Mayersche-Buchhandlung KG bietet als erste Buchhandelskette eine App mit AR-Funktionalitäten an. Vorgestellt wurde die Mobile-App mit der Implementierung auf der InsideAR 2014 in München. Da wir eine ähnliche App für das Bibliothekswesen planen war ich natürlich neugierig…

Der Test

Startbildschirm

Willkommensbildschirm – Screenshot der Autorin

Schon die Begrüßung auf dem Startbildschirm ist ansprechend. Eine junge Frau auf dessen Shirt ein Herz in den Farben der Buchhandlung zu sehen ist, strahlt mich an. Oben prankt das Logo und ein „Willkommen bei der Mayerschen“, weiter links sind die verschiedene Menüpunkte übersichtlich dargestellt, ganz unten der optisch in rot hervorgehobene Button „Hier scannen“ – was hier leider auf dem Bild nicht dagestellt wird.

Scannen, das ist die Funktion, die ich gesucht habe! Jetzt nur noch ein paar Testbücher gefunden und los geht’s! Ich entscheide mich für die folgenden Bücher:

  • George R.R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer : Ein Tanz mit Drachen (2012)
  • Frank Goosen: Sommerfest (2012)
  • Patrick Lee: Dystopia (2012)
  • Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Orden des Phönix (2003)
  • Mary Pope Osborne: Das Geheimnis des Zauberkünstlers (2014)

Die App funktioniert im heimischen WLAN einwandfrei, auch wenn das Smartphone mal nicht so ganz ruhig in der Hand liegt. Vom Scannen bis zum Bildschirm, auf dem ich den Artikel in meinen Einkaufswagen legen und mir die Rezension anschauen kann, sind die nächsten möglichen Schritte klar. Schön: 4 Bücher werden auf Anhieb mit den Zusatzinformationen versehen, lediglich Dystopia von Patrick Lee bleibt ohne. Liegt’s am verstörenden Titel? 😉 Wohl eher nicht.  Laut „Buchreport“ vom 5. November 2014 („Mayersche-App setzt auf Augmented Reality – Erweiterte Bücherrealität“) sind erst einmal „[…] Top-5000-Titel sowie die Bücher der jüngsten Kataloge hinterlegt, weitere sollen folgen.“

Bildschirm 2

Ergebnisse nach dem Scan – Screenshot der Autorin

Bidlschirm 2

Bildschirm nach der Auswahl – Screenshot der Autorin

Beim Kinderbuch „Geheimnis des Zauberkünstlers“ erscheinen keine Rezensionen. Das gilt es zu ändern! Nach meiner Registrierung und dem Log In scanne ich das Buch erneut. Doch auch jetzt kann ich im angezeigten, leeren Feld erst einmal nichts hinterlegen, auch ein Link à la „Rezension verfassen“ wird nicht angezeigt. Ich tippe also erst einmal auf „Artikel im Shop aufrufen“, obwohl ich das Buch eigentlich nicht kaufen möchte. Aber vielleicht geht es ja hier weiter? Richtig getippt! Weiter unten auf der Seite kann ich eine Bewertung abgeben und diese speichern. Als ich nach ca. 60 Minuten das Buch erneut scanne, wird die Rezension zwar im Warenkorb angezeigt, aber nicht unter „Rezensionen einblenden“. Auch drei Tage später erscheint zu diesem Buch keine Rezension.

Doch warum zeigt jetzt neben dem Verlagswesen auch der Buchhandel ein Interesse an AR?

„Reading is far more than clicking“

Den Grund für die Entwicklung der App erläutert Dr. Erlenkämper von der Geschäftsleitung der Mayerschen Buchhandlung auf bloggercamp.tv, live von der InsideAR 2014, wie folgt (ab Minute 7.30 auf deutsch):

Die Meyersche versteht sich laut Erlenkämper in erster Linie als Partner des Kunden. Dies schließt seiner Meinung nach ein, dass ein Buch im Rahmen der genutzen Technologie auch am Cover erkennbar sein sollte und nicht an Barcodes, QR-Codes o.ä. Seiner Meinung nach hat diese Eigenschaft einen zusätzlichen, schönen Nebeneffekt: Auch im Laden selbst können dann anhand von Postern mit dem Buchcover weitere Informationen zum Buch abgerufen werden. Gute Idee!

Außerdem soll sich der Buchkauf für die Kunden so einfach wie möglich gestalten und sie sollen – klar- durch begleitende Aktionen direkt vor Ort, wie z.B. einem „Weihnachtskalender“, in die Geschäfte gelockt werden. Es findet hier also die dringend benötigte Verquickung des Buchhandels vor Ort mit dem E-Commerce statt.

Der Vergleich mit dem Bibliothekswesen drängt sich praktisch auf. Spätestens wenn der Wunsch formuliert wird, die Kunden mögen wieder einmal das Geschäft (oder die Bibliothek) zu besuchen, dann benötige ich zumindest keine weiteren Gründe mehr, warum AR nichts in Bibliotheken zu suchen hat, sondern eher Ideen, wie man die AR-Realisierung vorantreiben kann.

Fazit

Gut gemachte App, die flüssig funktioniert und übersichtlich daherkommt. Das einzige was negativ auffiel, war die fehlende Rezension. Aber ansonsten bleibt nur noch ein Wunsch offen: So etwas wollen wir auch für die Bibliotheken haben!

 

 

Ich schlag mein Buch auf…

…und – Abrakadabra – sehe mehr als nur Sätze und Bilder! AR ist nun auch im Verlagswesen angekommen und erweckt damit die Bücher zum Leben!

Erste Beispiele aus der Verlagswelt kamen aus dem Kinderbuchbereich, wie z.B. das Buch „Comprendre comment ca marche“ des französichen Verlags Éditions Nathan oder ein Buch über Dinosaurier, erschienen bei arsEdition. Für den Heyne-Verlag augmentierten Augmented Minds 2011 das Cover zu „Ayla und das Lied der Höhlen“.

Carlton Books aus England gibt seit 2010 Bücher mit AR-Inhalten heraus und listet nach Eingabe des Suchbegriffs „Augmented Reality“ derzeit zahlreiche Titel auf. Einige dieser Titel liegen auch auf deutsch beim Kosmos-Verlag vor, wie z.B. „iSpace“ und „iDinosaur“. Diese Bücher wurden im letzten Jahr auch hierzulande von Bibliotheken erworben und begeistert auf Facebook vorgestellt und diskutiert. Bemerkenswert ist allerdings, dass schnell der eigentliche Inhalt in den Hintergrund tritt und nur noch die animierten 3D-Inhalte von Interesse sind – dies auch bei sonst sehr buch-affinen Kindern.

Das „Wonderbook: Book of Spells“ für die PS3 aus dem Jahr 2012 widmet sich der zauberhaften Welt von Harry Potter und verbindet die Buch- mit der multimedialen Spielewelt. „It has to be seen, to be believed“ ist der markige Werbespruch von Sony dazu. J.K. Rowling hat ihr OK dazu gegeben, also bleibt zu hoffen, dass sich tatsächlich das Tor in eine magische Welt öffnet… Nachfolgend der Werbetrailer dazu.

Seit Herbst 2014 erscheinen in der LeYo!-Reihe des Carlsen-Verlages Bücher, die um zusätzliche Informationen erweitert wurden. Auf der Website wird dieses neue Konzept erklärt. Es werden bspw. Geschichten vorgelesen, es gibt eine Durchblick-Funktion und es gibt einen interaktiven Spielmodus.

Die Reihe wurde in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „Eltern family“ erarbeitet.

Auch die Welt der Klassiker wie „Moby Dick“ und „Great Expectations“, beide erschienen bei Penguin Books, wurden mittels AR durch die in London ansässige Firma Zappar ebenfalls zum Leben erweckt:

Den Anfang im wissenschaftlichen Buchbereich machte im letzten Jahr die Emerald Group Publishing Ltd., die mit „Digital Humanities“ als erster wissenschaftlicher Verlag Inhalte ebenfalls anreicherten . Allerdings bleibt hier das Ergebnis klar hinter den Erwartungen zurück. Beim Scannen der AR-Bilder erschienen lediglich Interterviews – mehr leider nicht.

Umso erfreulicher ist das Nachziehen der Schulbuchverlage. „[…] das gedruckte Lehrwerk [wird] zum multimedialen Ereignis!“, so wirbt der Film auf der Website der Zoom-App für die Anreicherung des Englisch-Buches Camden-Maket aus dem Hause Diesterweg. Entwickelt wurde die dahinterstehende Technologie „App to look“ von KIDS interactive aus Erfurt, weitere Lehrwerke sind in Planung.

Es tut sich was! Endlich – möchte man meinen. Doch Skeptiker werden sofort mit dem erhobenem Zeigefinger darauf hinweisen, dass ein zuviel an Technik und mulitmedia-Inhalten nicht förderlich für das Lernen und Verstehen sei. Stimmt diese Befürchtung? Erinnert dies nicht ein wenig an die Diskussionen, die schon fast reflexartig geführt werden, sobald ein neues Medium auftaucht? Droht der eigentliche Inhalt wirklich im multimedialen Rauschen unterzugehen?

Vor Jahren erschien im Tagesspiegel ein Artikel, der, einfach zusammengefasst, die Aussage traf, dass Fernsehen die Schlauen schlauer mache und die Dummen dümmer. Und hier verhält sich bei AR, wie bei den meisten anderen Technologien und Medien, genauso. AR ist eine mächtige Technologie, die komplexe Zusammenhänge einfach darstellen kann. Sie ist jedoch, wie andere Technologien auch, ein Werkzeug. Es kommt jedoch darauf an, wie dieses Werkzeug genutzt wird. Ob wir es nutzen, um nur noch auf bunte Darstellungen zusammenhanglos herumzutippen oder um die bisherigen eindimensionalen, bildhaften Darstellungen zu veranschaulichen und so einen zusätzlichen Mehrwert zu gedruckten Inhalten für uns zu schaffen. Es liegt bei uns.