Archiv für den Monat: Juni 2015

AR im Test – AR im Kinderzimmer

Dinos im Wohnzimmer, sprechende Märchenfiguren und laufendes Lego – das Kinderzimmer wird lebendig!

Übersicht

Die schöne neue AR-Welt im Kinderzimmer – Foto: Autorin

AR für Kinderbücher gibt es schon länger. Den Anfang machte im Oktober 2009 der französische Verlag Éditions Nathan mit seiner Publikation «Comprendre comment ca marche». Kurze Zeit später brachte der deutsche Verlag arsEdition ein augmentiertes Buch über Dinosaurier heraus, der englische Verlag Carlton Books folgte dem Beispiel 2010 mit seiner Reihe „Books come alive“. Seit den letzten zwei Jahren hält AR konstant Einzug ins deutsche Kinderzimmer. Neben dem Kosmos-Verlag hat jetzt auch der Carlsen-Verlag mit LeYo! die jüngere Kundschaft im Blick.

 

Kommt ein Dino ins Wohnzimmer…

Creatures

Magical Creatures, Carlton Books – Foto: Autorin

Die Magical Creatures des Carlton-Verlages funktionieren noch über die dem Buch beigefügte Triggercards und mittels Webcam des Computers. Die Triggercards werden vor die Kamera gehalten und bei einer erfolgreichen Erfassung („Tracking“) wird dann die  Welt der Feen, Drachen und Orks lebendig. Die Erfassung läuft laut der Website der Reihe nur über den heimischen PC, eine Version für Tablets/Smartphones scheint es nicht zu geben.

 

 

TRex

Computer fällt heute aus! – Foto: Autorin

Die bisher erschienen drei deutschen Ausgaben aus dem Franckh-Kosmos-Verlag hingegen funktionieren alle auf der Grundlage von iOS und Android und sind damit klar auf die mobilen Geräte ausgelegt. 2014 erschienen sowohl iSpace und iT-Rex (siehe Cover oben), im März diesen Jahres mit iStorm der dritte Band der AR-Reihe. Die Bände iSpace und iT-Rex überzeugen mit visuell gut gelungenen Animationen, die so manches Staunen hervorrufen. Schon der Start der App sorgt für Spannung. Ein Dinoauge fixiert den Nutzer, das Atmen des dazugehörigen sorgt für die akustische Untermalung. Die kostenlose App bietet die Möglichkeit Sceenshots zu erstellen, diese zu teilen und zu speichern. Die Funktionsweise ist sofort ersichtlich und auch jüngere Dino-Freunde können schnell mit der App umgehen und die Dinos per Joystick-Symbol bewegen, ein Baby schlüpfen lassen oder den sanften Klängen des Dino-Gebrülls lauschen. Die Darstellungen funktionieren auch bei nicht ganz so ruhige Kinderhänden gut und die aufgenommenen Bilder vom Dino in der LEGO-Stadt, auf dem Frühstückstisch und beim Eisessen sorgen schnell für die  erhoffte „Jetzt will ich auch mal“-Reaktion. Allerdings hat sich der Spielspaß leider schnell erledigt: lediglich vier Mal werden AR-Inhalte angeboten – dann heißt es doch wieder „lesen“. Die Bücher sind für Kids ab ca. 8 Jahren zu empfehlen.

Conni meets AR!

Einfach. Mehr. Entdecken. so wirbt der Carlsen-Verlag für seine LeYo!-Reihe, die für die jüngeren Kinder konzipiert wurde. Neben dem hier vorgestellten Buch „Mein großerer Märchenschatz“ gibt es u.a. „Meine großen Fahrzeuge“, „Mein Atlas“ und von der bei Mädchen  aller Alterstufen beliebten Conni „Conni im Kindergarten“ sowie fünf weitere augmentierte Bücher. Die kostenlose App für iOS und Android  bietet Funktionen wie

  • Durchblick – bisher Unsichtbares wird dadurch sichtbar
  • Hören – Musik bis hin zu einer Erzählstimme ergänzt das Gesehene
  • Spielen – hier können sich die jüngeren Kids beim Spielen passend zu Inhalt ausprobieren.
  • Geräusche – von den Fußstapfen im Wald bis zum Blumenvase werden die Abbildungen mit Geräuschen untermalt.

Nach der Auswahl der Funktion kann dann das gewünschte Bild mittels grünem Kreis anvisiert werden und es ertönt Musik, das passende Geräusch oder die Geschichte wird vorgetragen. Jüngere Kinder können  die App durchaus auch selbst ausprobieren, die Darstellung verschwindet nicht gleich beim kleinsten Wackler. Die App ist allerdings eher für das gemeinsame Entdecken der Buchinhalte mit den Eltern gedacht und wurde in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Eltern family entwickelt. Daher naheliegend: Das Speichern und Teilen von Screenshots ist nicht möglich.

 

Der Blick über’n Teich – weitere Augmented Reality-Bücher

Im Frühjahr letzten Jahres sind im Lulu.com-Verlag in England zwei Bände der Autorin Donna Kay Cindy Kakonge in der Reihe Augmented Reality Children’s Stories erschien.

Martin King ist der geistige Schöpfer der „Jack Hunter – the French connection“-Serie. Wie die Bücher mit AR verknüpft wurden kann auf der dazugehörigen Website nachgelesen werden, der erste Band aus dem Verlag Razorsharpe liegt derzeit auf Englisch vor. Die App ist für iOS und Android konzipiert.

Michel Brown ist der Autor zweier Sachbücher für Kids. „Never trust Atoms…“ und „Red Cell and white Cell…“ beschäftigen sich mit naturwissenschaftlichen Themen und liegen derzeit als Kindl Edition vor.

Die Firma BooksARalive hat gleich mehrere augmentierte Bücher im Angebot. Neben den beliebten Kinderbuchklassikern „Hansel and Gretel“ und „Jack-o-Lantern“ weist das Portfolio noch drei weitere Bücher auf. Mehr zum AR-Programm auf der Website.

Bei „Goodnight Lad“ handelt es sich um ein augmentiertes Bilderbuch für die kleineren Bücherwürmer. Durch Crowdfunding wurde der Druck des Buches ermöglicht. Bradley Grimm, ein App-Entwickler, hatte die Idee zu diesem Buch. Hier kann der aktuelle Stand des Cowdfunding-Projektes nachgelesen werden.

Wenn es knallt, knattert und schießt…

…dann muß es nicht unbedingt die Playstation oder die Wii sein –  dieses Mal können die Geräusche auch vom neuesten LEGO-Katalog kommen. Denn der aktuelle Katalog kann ebenfalls mit einigen augmentierte und sehr geräuschvollen Inhalte aufwarten. Gezeigt werden zahlreiche kleine Filmsequenzen, die verdeutlichen sollen wie die gezeigten Fahrzeuge, Drachen, Helden etc. im Einsatz aussehen. Da wird das Anschauen des Katalogs garantiert zum multimedialen Ereignis…

Lego2

LEGO in 3D – Foto: Autorin

Ob LEGO aufgrund dessen auch mehr Umsatz macht ist nicht bekannt, in den Filialen jedenfalls hat die AR-Erweiterung für das gewünschte Umsatzplus gesorgt.

Einziges Manko der ansonsten gut gemachten App: Die kostenlose App bietet leider keine Möglichkeit Screenshots anzufertigen und diese zu teilen bzw. zu speichern.

Fazit

Bemerkenswert bei allen Büchern ist, dass auch bei sehr bücheraffinen Kindern der geschriebene Inhalt schnell in den Hintergrund gedrängt wird und die Konzentration einzig und allein auf die AR erfolgt. Alleine davor sitzen lassen sollte man sie also nicht, denn sonst erfolgt bei ihnen bereits das, was sich viele Erwachsene in den letzten Jahren bereits erfolgreich antrainiert haben: sie browsen lediglich durch die Seiten, von einem Event zum nächsten, ohne dass der Sinn für den Zusammenhang erfasst wird.

AR macht bei den hier vorgestellten Büchern nicht immer in der angebotenen Menge Sinn. Bei den Dinos wäre mehr besser gewesen, da das Thema einfach zu gut „zieht“ und eine Aufpeppung ganz im Sinne der Zielgruppe gewesen wäre. Bei dem Märchenbuch war es hingegen nach Meinung der Autorin und der kleinen Testerin wiederum zu viel AR – auch wenn die Darstellung der Großmutter im Bauch des Wolfes wirklich gut gelungen ist – es muß nicht unbedingt jede Blume und jedes Eichhörnchen mit Geräuschen unterlegt werden. Hier wäre weniger Mehr gewesen.

AR bietet auch im Kinderbuchbereich viele sinnvolle Einsatzmöglichkeiten und kann Bücher durchaus gelungen aufpeppen – wenn nicht zuviel AR reingepackt wird. Die Frage ist, ob die Mischung auch dem Kunden gefällt oder ob es nicht besser ist einfach mal nur das Buch zu lesen oder nur mit der Wii zu spielen…

mylibrARy auf dem Bibliothekartag

Letzte Woche durften wir auf dem Bibliothekartag in Nürnberg unser Projekt und unsere App präsentieren. Passend zum Motto des Bibliothekartags „Bibliotheken – von Anfang an Zukunft“ haben wir Augmented Reality als eine Technologie vorgestellt, mit der Bibliotheken sich als innovative und zeitgemäße Einrichtungen etablieren können.

Mit der Verbindung des haptischen und virtuellen Bestandes wird eine höhere Sichtbarkeit erzielt, vor allem bei technikaffinen (potentiellen) Nutzern. Bei der Demonstration von AR durften die obligatorischen Pinguine natürlich nicht fehlen (Siehe Folien: „Mit Augmented Reality in die Bibliothek der Zukunft?!“)bibtag_treude_wolf

Ansonsten war der Bibliothekartag wieder einmal geprägt von vielen Wiedersehen mit (alten) Bekannten und interessanten Gesprächen und dem Gefühl, dass man noch sehr viel mehr Zeit benötigt hätte, um sich mehr Vorträge anzuschauen, mit noch mehr Menschen ins Gespräch zu kommen oder auch um am Rahmenprogramm teilzunehmen, welches interessante Exkursionen zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten in Nürnberg geboten hat.