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AR im Test – AR im Kinderzimmer

Dinos im Wohnzimmer, sprechende Märchenfiguren und laufendes Lego – das Kinderzimmer wird lebendig!

Übersicht

Die schöne neue AR-Welt im Kinderzimmer – Foto: Autorin

AR für Kinderbücher gibt es schon länger. Den Anfang machte im Oktober 2009 der französische Verlag Éditions Nathan mit seiner Publikation «Comprendre comment ca marche». Kurze Zeit später brachte der deutsche Verlag arsEdition ein augmentiertes Buch über Dinosaurier heraus, der englische Verlag Carlton Books folgte dem Beispiel 2010 mit seiner Reihe „Books come alive“. Seit den letzten zwei Jahren hält AR konstant Einzug ins deutsche Kinderzimmer. Neben dem Kosmos-Verlag hat jetzt auch der Carlsen-Verlag mit LeYo! die jüngere Kundschaft im Blick.

 

Kommt ein Dino ins Wohnzimmer…

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Magical Creatures, Carlton Books – Foto: Autorin

Die Magical Creatures des Carlton-Verlages funktionieren noch über die dem Buch beigefügte Triggercards und mittels Webcam des Computers. Die Triggercards werden vor die Kamera gehalten und bei einer erfolgreichen Erfassung („Tracking“) wird dann die  Welt der Feen, Drachen und Orks lebendig. Die Erfassung läuft laut der Website der Reihe nur über den heimischen PC, eine Version für Tablets/Smartphones scheint es nicht zu geben.

 

 

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Computer fällt heute aus! – Foto: Autorin

Die bisher erschienen drei deutschen Ausgaben aus dem Franckh-Kosmos-Verlag hingegen funktionieren alle auf der Grundlage von iOS und Android und sind damit klar auf die mobilen Geräte ausgelegt. 2014 erschienen sowohl iSpace und iT-Rex (siehe Cover oben), im März diesen Jahres mit iStorm der dritte Band der AR-Reihe. Die Bände iSpace und iT-Rex überzeugen mit visuell gut gelungenen Animationen, die so manches Staunen hervorrufen. Schon der Start der App sorgt für Spannung. Ein Dinoauge fixiert den Nutzer, das Atmen des dazugehörigen sorgt für die akustische Untermalung. Die kostenlose App bietet die Möglichkeit Sceenshots zu erstellen, diese zu teilen und zu speichern. Die Funktionsweise ist sofort ersichtlich und auch jüngere Dino-Freunde können schnell mit der App umgehen und die Dinos per Joystick-Symbol bewegen, ein Baby schlüpfen lassen oder den sanften Klängen des Dino-Gebrülls lauschen. Die Darstellungen funktionieren auch bei nicht ganz so ruhige Kinderhänden gut und die aufgenommenen Bilder vom Dino in der LEGO-Stadt, auf dem Frühstückstisch und beim Eisessen sorgen schnell für die  erhoffte „Jetzt will ich auch mal“-Reaktion. Allerdings hat sich der Spielspaß leider schnell erledigt: lediglich vier Mal werden AR-Inhalte angeboten – dann heißt es doch wieder „lesen“. Die Bücher sind für Kids ab ca. 8 Jahren zu empfehlen.

Conni meets AR!

Einfach. Mehr. Entdecken. so wirbt der Carlsen-Verlag für seine LeYo!-Reihe, die für die jüngeren Kinder konzipiert wurde. Neben dem hier vorgestellten Buch „Mein großerer Märchenschatz“ gibt es u.a. „Meine großen Fahrzeuge“, „Mein Atlas“ und von der bei Mädchen  aller Alterstufen beliebten Conni „Conni im Kindergarten“ sowie fünf weitere augmentierte Bücher. Die kostenlose App für iOS und Android  bietet Funktionen wie

  • Durchblick – bisher Unsichtbares wird dadurch sichtbar
  • Hören – Musik bis hin zu einer Erzählstimme ergänzt das Gesehene
  • Spielen – hier können sich die jüngeren Kids beim Spielen passend zu Inhalt ausprobieren.
  • Geräusche – von den Fußstapfen im Wald bis zum Blumenvase werden die Abbildungen mit Geräuschen untermalt.

Nach der Auswahl der Funktion kann dann das gewünschte Bild mittels grünem Kreis anvisiert werden und es ertönt Musik, das passende Geräusch oder die Geschichte wird vorgetragen. Jüngere Kinder können  die App durchaus auch selbst ausprobieren, die Darstellung verschwindet nicht gleich beim kleinsten Wackler. Die App ist allerdings eher für das gemeinsame Entdecken der Buchinhalte mit den Eltern gedacht und wurde in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Eltern family entwickelt. Daher naheliegend: Das Speichern und Teilen von Screenshots ist nicht möglich.

 

Der Blick über’n Teich – weitere Augmented Reality-Bücher

Im Frühjahr letzten Jahres sind im Lulu.com-Verlag in England zwei Bände der Autorin Donna Kay Cindy Kakonge in der Reihe Augmented Reality Children’s Stories erschien.

Martin King ist der geistige Schöpfer der „Jack Hunter – the French connection“-Serie. Wie die Bücher mit AR verknüpft wurden kann auf der dazugehörigen Website nachgelesen werden, der erste Band aus dem Verlag Razorsharpe liegt derzeit auf Englisch vor. Die App ist für iOS und Android konzipiert.

Michel Brown ist der Autor zweier Sachbücher für Kids. „Never trust Atoms…“ und „Red Cell and white Cell…“ beschäftigen sich mit naturwissenschaftlichen Themen und liegen derzeit als Kindl Edition vor.

Die Firma BooksARalive hat gleich mehrere augmentierte Bücher im Angebot. Neben den beliebten Kinderbuchklassikern „Hansel and Gretel“ und „Jack-o-Lantern“ weist das Portfolio noch drei weitere Bücher auf. Mehr zum AR-Programm auf der Website.

Bei „Goodnight Lad“ handelt es sich um ein augmentiertes Bilderbuch für die kleineren Bücherwürmer. Durch Crowdfunding wurde der Druck des Buches ermöglicht. Bradley Grimm, ein App-Entwickler, hatte die Idee zu diesem Buch. Hier kann der aktuelle Stand des Cowdfunding-Projektes nachgelesen werden.

Wenn es knallt, knattert und schießt…

…dann muß es nicht unbedingt die Playstation oder die Wii sein –  dieses Mal können die Geräusche auch vom neuesten LEGO-Katalog kommen. Denn der aktuelle Katalog kann ebenfalls mit einigen augmentierte und sehr geräuschvollen Inhalte aufwarten. Gezeigt werden zahlreiche kleine Filmsequenzen, die verdeutlichen sollen wie die gezeigten Fahrzeuge, Drachen, Helden etc. im Einsatz aussehen. Da wird das Anschauen des Katalogs garantiert zum multimedialen Ereignis…

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LEGO in 3D – Foto: Autorin

Ob LEGO aufgrund dessen auch mehr Umsatz macht ist nicht bekannt, in den Filialen jedenfalls hat die AR-Erweiterung für das gewünschte Umsatzplus gesorgt.

Einziges Manko der ansonsten gut gemachten App: Die kostenlose App bietet leider keine Möglichkeit Screenshots anzufertigen und diese zu teilen bzw. zu speichern.

Fazit

Bemerkenswert bei allen Büchern ist, dass auch bei sehr bücheraffinen Kindern der geschriebene Inhalt schnell in den Hintergrund gedrängt wird und die Konzentration einzig und allein auf die AR erfolgt. Alleine davor sitzen lassen sollte man sie also nicht, denn sonst erfolgt bei ihnen bereits das, was sich viele Erwachsene in den letzten Jahren bereits erfolgreich antrainiert haben: sie browsen lediglich durch die Seiten, von einem Event zum nächsten, ohne dass der Sinn für den Zusammenhang erfasst wird.

AR macht bei den hier vorgestellten Büchern nicht immer in der angebotenen Menge Sinn. Bei den Dinos wäre mehr besser gewesen, da das Thema einfach zu gut „zieht“ und eine Aufpeppung ganz im Sinne der Zielgruppe gewesen wäre. Bei dem Märchenbuch war es hingegen nach Meinung der Autorin und der kleinen Testerin wiederum zu viel AR – auch wenn die Darstellung der Großmutter im Bauch des Wolfes wirklich gut gelungen ist – es muß nicht unbedingt jede Blume und jedes Eichhörnchen mit Geräuschen unterlegt werden. Hier wäre weniger Mehr gewesen.

AR bietet auch im Kinderbuchbereich viele sinnvolle Einsatzmöglichkeiten und kann Bücher durchaus gelungen aufpeppen – wenn nicht zuviel AR reingepackt wird. Die Frage ist, ob die Mischung auch dem Kunden gefällt oder ob es nicht besser ist einfach mal nur das Buch zu lesen oder nur mit der Wii zu spielen…

AR im Test – die ZOOM-App

Schulbücher – jeder kann sich noch gut daran erinnern, wenn der eigene Lehrer die Klasse mit einem energischen „Wir holen jetzt alle mal die Bücher raus und schlagen Seite 40 auf!“ bat, mal für kurze Zeit aus dem Stand-By-Modus in den Activity-Modus umzuschalten. Begleitet wurde diese Bitte meisten von einem allgemeinen Seufzer…

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Startbildschirm – Foto: Autorin

Heute gibt es Schulbücher, die bestimmt mehr Begeisterung bei den SchülerInnen hervorrufen. Gemeint sind die ersten augmentierten Schulbücher der Bildungshaus Schulbuchverlage GmbH, zu denen  Westermann, Schroedel, Diesterweg, Schöningh und Winklers gehören. Die Textbücher Camden Market 2 und 3, Camden Town 3 und Chemie heute SII (NRW) verfügen bereits über entsprechende Inhalte, Seydlitz Erdkunde (Niedersachsen) wird demnächst veröffentlicht.

Die App, die die Schulbücher zum Leben erweckt, ist die ZOOM-App. Sie ist sowohl für iOS als auch für Android verfügbar. Entwickelt wurde die App vom Erfurter Unternehmen KIDS interactive. Das Unternehmen hat mit seiner Entwicklung 2014 den Thüringer Innovationspreis gewonnen und schön beschrieben, kann dies hier nachgelesen werden.

Doch jetzt heißt es erst einmal: „Open the book at page…!“

Der Test

Popig-pink kommt der Startbildschirm (s. oben) daher. Sehr ansprechend! Als erstes werde ich aufgefordert weitere Inhalte herunterzuladen. WLAN wird mir dabei empfohlen. Gesagt getan. Schnell sind Inhalte gespeichert und es kann losgehen. Hoffentlich hat der Lehrer den  Unterricht dann auch  so gut vorbereitet, dass die Schüler sich die erforderlichen Inhalte bereits Zuhause heruntergeladen haben…

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„Modal verbs!“ – Foto: Autorin

Ein kleines Tutorial erklärt mir dann die Funktionsweise der App auf sieben Bildschirmen. Das Tutorial kann übrigens auch zwischendurch durch die Auswahl der „Hilfe“ im Hauptmenü angewählt und somit jederzeit angeschaut werden – praktisch!

Doch wo sind denn jetzt die kleinen Filme? Wahllos schlage ich die erste Doppelseite auf – nix. Beim Umblättern passiert es: Erst klickt es, dann erklärt mir eine Engländerin die Bildung des ersten „Modal Verbs“.  Im Anschluß kann ich mir dann noch Nummer 2 und 3 anhören (erkennbar an den drei Kästchen unter dem großen Bild). Das sind also Modalverben – sieh an! Ergänzt wird dieser Abschnitt noch um die Hörtexte, Lernwörter, den Tutor und einem Spickzettel (s. rechter Bildrand). Letzterer beinhaltet die deutsche Erklärung der Modalverben, der Tutor gibt nochmals die Inhalte der drei Kästchen wider.

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Film der ZOOM-App – Foto: Autorin

Doch nach den Filmen zu suchen macht keinen Spaß. Wie war das nochmal im Tutorial? Man konnte sich ja auch die ZOOM-Inhalte direkt anzeigen lassen…Jetzt also der umgekehrte Weg. Ich such direkt über die App nach den Inhalten. Und da ist auch schon ein Film.

In „Talking about festivals“ erzählen mehrere Kinder abwechselnd, welche Feste sie Zuhause feiern. „I like Easter, because I like chocolate!“ – na, dem werden sicherlich viele Kinder zustimmen… Der Film ist von der Spielzeit nicht zu lang und geht gut auf den zu behandelnden Stoff des 4. Kapitels „Celebrations“ – Basis Festivals ein.

Fazit

Schade, dass meine Tochter von der Klassenstufe in der das Buch benutzt wird, noch ein paar Jahre entfernt ist – so hätte ich gleich ein paar Tester der App samt Englischlehrerin befragen können. Die Kids werden die App sicherlich schnell begreifen und ausprobieren. Was mir besonders gefällt, ist die Verbindung von multimedialen Inhalten und dem reinen „Paukstoff“. Vokabeln, Grammatik werden zusätzlich zu kleinen Filmen nochmals in Schriftform erklärt und unterstützen so das bereits Gesehene und Gehörte. Die Inhalte werden schnell angezeigt, auch wenn das Smartphone mal nicht ganz so ruhig gehalten wird. Eine schöne und sinnvolle App!

Zum Abschluß noch ein kleiner Film, der zeigt, wie die App live funktioniert:

 

AR im Test – Die Timetraveler-App

Apps gibt es ja bekanntlich wie Sand am Meer, da ist es schön, wenn mal eine besonders hervorsticht und sich eines geschichtsträchtigen Themas annimmt, so wie die Timetraveler-App. Die App reichert Gebäude und Plätze rund um den ehemaligen Mauerstreifen an der Bernauer Straße mit kleinen Filmen rund um die Thematik Mauerbau an. Doch was genau wird da eigentlich gezeigt? Zeit für einen Test!

Der Tag bot schon mal fantastische Voraussetzungen dafür: sonnig und warm, ein Feiertag – perfekt. So schoben wir uns also mit zahlreichen Touristen von Punkt zu Punkt und versuchten das Smartphone gegen die Sonne abzuschirmen um etwas von den Szenen mitzubekommen, die sich hier vor über 50 Jahren abgespielt haben.

Blick auf Punkt 3 „Die letzte Verbindung“ – Bild der Autorin.

Hier einige Auszüge: Schon der erste Punkt „Sprung in die Freiheit“ sorgt für ein „Ah!“. Die Szene, bei der der ehemalige Grenzsoldat Corad Schumann in die Freiheit springt, erwacht plötzlich zum Leben und zeigt den gewagten Sprung. Der zweite Punkt „Der Mauerbau“ liegt zum Testzeitpunkt etwas ungünstig – zuviele Touristen schieben sich in der kurzen Ampelphase an uns auf der Verkehrsinsel vorbei und machen die Darstellung so leider schnell zunichte. Schade! Auf zu den nächsten zwei Punkten… Die sind aber laut Mitteilung auf dem Bildschirm  „Nur in der Vollversion verfügbar“. Da liegt also der Unterschied zwischen den im App-Store angebotenen Versionen! Denn das war uns nicht so ganz klar. Wies doch Beschreibung beider Apps auf den ersten Blick keine erkennbare Unterscheidung auf.  Aber zum Glück sind wir vorbereitet und können auf dem zweiten Smartphone dann weiterschauen.

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Darstellung der einzenen Punkte – Screenshot aus der App – Bild der Autorin

Die „Dramatische Flucht“  und „Lebensgefährliche Flucht“ (Punkte 5 und 9) sorgen dann für Entsetzen. „Was? Die Springen darunter?! Warum?“ waren die Kommentare unserer Tochter.

Geschichte einmal anders – wir hatten hinterher viel zu erklären… Die Kirchensprengung (Punkt 10) rundete unseren Geschichtsspaziergang ab.

Fazit

Gelungen! Die von Timetraveler augmented Ltd. entworfene App erweckt die Geschichte rund um den Mauerbau zweifelsohne zum Leben und trägt mit Sicherheit zu einem nachhaltigen Blick auf die Geschehnisse bei. Es gab während der Anwendung keine Performance-Probleme, die Funktionsweise war auch klar. Wünschenswert wäre allerdings eine klare Nennung des Unterschiedes zwischen beiden erhältlichen Versionen und dass die App um weitere Punkte auf der Karte ergänzt wird…