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1. #VisDom erfolgreich!

Mit rund 70 TeilnehmerInnen war die erste #VisDom (Visualisierung von Daten und Informationen – Symposium an der FH Potsdam) an der FH Potsdam ein echter Erfolg. Thematisch lag das Thema bei smarten Bibliotheken, Büchern und Buchhandlungen – eine Mischung, die bei den rund 70 TeilnehmerInnen sehr gut ankam, wie die vielen Gespräche bezeigt haben. Ausgerichtet wurde das Symposium vom am Fachbereich Informationswissenschaften ansässigen mylibrARy-Projektteam.

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Stephan Büttner zur Zukunft der Bibliotheken – Foto: N. Tielker

Gleich zu Anfang seiner Begrüßung wies der Projektleiter Herrn Prof. Stephan Büttner darauf hin, dass sich die Teilnehmenden am richtigen Ort befinden. In der aktuellen „BuB – Forum Bibliothek und Information“ war zwar von einem Symposium an der FH Köln die Rede – da hatte sich aber offensichtlich ein Fehlerteufel in den Beitrag eingeschlichen…

In seinem anschließenden Vortrag ging er auf die Notwendigkeit der Öffnung von Bibliotheken für neue Dienste und Technologien ein, wenn sie auch weiterhin ein fester Bestandteil im Gedächtnis der Bevölkerung bleiben wollen. Eine solche Technologie ist Augmented Reality, kurz AR. Seit dem letzten Sommer erforscht das mylibrARy-Projektteam wie AR sinnvoll und nutzerorientiert im Bibliothekskontext eingesetzt werden kann.

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Magische Zeiten für Bibliotheken – Foto: N. Tielker

In unserem darauf folgenden Vortrag stellten wir aktuelle Anwendungen und Entwicklungen vor und berichteten über unsere erste Studie und den Status Quo der milibrARy-App. Abschließend boten wir einen Ausblick auf die Inhalte des zweiten Projektjahres.

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Martin Adam (mCrumbs) griff das Thema „Bibliotheken als Smartplaces“ auf und zeigte verschiedene Möglichkeiten für Bibliotheken neue Technologien zielführend einzusetzen. Ein besonders sympathisches Beispiel waren die virtuellen Pinguine, die in Japan eingesetzt werden. NutzerInnen der App eines Aquariums in Tokio sehen die Pinguine auf ihrem Smartphone-Bildschirm und werden durch sie zu dem Aquarium geleitet. Welche Tiere wohl für Bibliotheken infrage kämen? Martin Adam ist außerdem Mitentwickler der Timetraveler-App, über die wir hier in unserem Blog ebenfalls berichtet haben. Die App ist ein schönes Beispiel, wie AR zur lebendigen Geschichtsvermittlung eingesetzt werden kann.

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Zeit für angeregte Gespräche – Foto: N. Tieleker

Nach so viel Input ging es erst einmal in die Mittagspause. Diese wurde von den Teilnehmenden intensiv genutzt, um sich über die bisher behandelten Themen auszutauschen. Dank der sehr guten Abstimmung im Vorfeld mit der Mensa konnten sich unsere Teilnehmenden schon etwas eher mit der Essensauswahl beschäftigen und waren so vor den anrollenden Studis am Start.

Entspannt und gut gestärkt ging es dann in den zweiten Teil des Tages. Jetzt teilte sich das Symposium in zwei Schienen. Die erste Schiene hatte einen Bibliotheksschwerpunkt, während die zweite Schiene das Thema AR eher von Buch- bzw. Buchhandelssicht aufgriff.

Schiene 1 – Smarte Bibliotheken und Bibliothekskataloge der Zukunft

von Linda Treude

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Mit espoto zur interaktiven Bibliothek – Foto: N. Tielker

Zunächste berichtete Jens Knabe von der lokalen Firma espoto GmbH, für welche Bereiche er bereits mobile serious games entwickelt hat. Beispielsweise für einen Willkommenstag für neue Mitarbeiter, die mit einer virtuellen Schnitzeljagd spielerisch alle Abteilungen und Kollegen der Firma kennenlernen konnten. Für Bibliotheken existieren ebenfalls zahlreiche Einsatzszenarios, wenngleich die Anwendung dort noch nicht so häufig ist. Ein lokales Bibliotheksquiz könnte vor allem im Kinder- und Jugendbereich attraktiv sein und die klassische Einführung in die Bibliotheksnutzung um ein Vielfaches spannender gestalten. Die Firma espoto unterstützt die Bibliotheken dabei sowohl bei der Realisierung vor Ort (Anbringen von batches) als auch beim Storytelling, der Entwicklung von spannenden Quizfragen und Abläufen. Seitens der Bibliotheken ist ein großes Interesse vorhanden, wie eine „Schlangenbildung“ für einen Gesprächstermin nach Herrn Knabes Vortrag deutlich zeigte.

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Der zweite Vortrag von Dr. Jens Mittelbach, dem Leiter der Abteilung Benutzung und Information der SLUB Dresden thematisierte die Herausforderungen und Veränderungen für Bibliotheken durch digitale Technologien. Die SLUB Dresden setzt bereits erfolgreich neue Technologien in verschiedenen Bereichen, beispielsweise in einem 3D-Regal-Wegweiser-System der Bibliothek ein. Dr. Jens Mittelbach berichtete in seinem Vortrag „Das Komplexe einfach machen“ vor allem über das Projekt SLUBsemantics, einer multilingualen und semantischen Suche. Durch die Verbindung der Katalog-Sätze mit Wikipedia-Konzepten mittels stabiler URIs aus dbpedia wird die Suche automatisch semantisch angereichert und eine graphische Suche bzw. die Suche über einen Facettenbaum ermöglicht. Auf Datenebene wird durch Linked Data die Grundlage für Discovery-Systeme geschaffen. Nach einigen (auch vielen gescheiterten) Versuchen, visuelle Suchen anzubieten, geht der Trend eindeutig zu Natural User Interfaces oder Systemen wie Google Knowledge Graph oder DNB Entity Facts. Ein sehr spannender Vortrag, an dessen Ende rege über semantische und visuelle Suchmöglichkeiten sowie die Rolle von Bibliotheken in diesem Kontext diskutiert wurde.

Das-Komplexe-einfach-machen

Schiene 2 – Smarte Schulbücher und Buchhandlungen

von Sabine Wolf

In der zweiten Schiene zeigte Joerg Michel (KIDSinteractive) verschiedene Produkte, die seine Firma entwickelt bzw. augmentiert hat. Darunter ein augementiertes Fotoalbum. Hier können die Bilder vom letzten Urlaub mit Leben, wie z.B. kleinen Filmen „angereichert“ werden. Besonders interessant waren auch seine Beispiele aus dem Schulbuchbereich. KIDSinteractive hat für die Bildungshaus Schulbuchverlage die Zoom-App entwickelt und damit die ersten Schulbücher augmentiert (Vergleiche dazu den Test hier auf dem Blog). Allerdings gibt es hier trotz aller Innovationsfreude dieser Schulbuchverlage auch einen Wermutstropfen: Nicht alle Verlage unterstützen digitale Angebote. Zu groß ist die Sorge, dass Inhalte massenkopiert werden. Zudem ist nicht immer klar, wer die Inhalte entwickelt. Hier stellt sich die Frage, ob nicht die Lehrercommunity die Inhalte ähnlich wie beim Smartboard beisteuern könnte…

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Im anschließenden Vortrag von Stephan Erlenkämper (Mayersche Buchhandlung) ging es um das „Augmented Retailing“. Schade, dass zu diesem Vortrag nicht so viele Teilnehmende aus dem Bibliotheksbereich anwesend waren. „Retailing, Verkauf? Damit haben wir nichts zu tun!“ mag sich manch eine/r gedacht haben… Aber dass beide Bereiche, Bibliothek und Buchhandlung, in ihren Zielen nicht so weit von einander entfernt sind, kam hier sehr gut rüber. Beide Branchen haben das gleiche Ziel: weiter für die Kunden attraktiv zu bleiben und so zu verhindern, dass ein Massenabwandern in Richtung Amazon & Co stattfindet. Den Mayerschen Buchhandlungen gelingt dies u.a. mit dem Angebot einer App, die Zusatzinformationen zum Medium für die Nutzer bereithält (eine ausführliche Beschreibung der App gibt es hier). Aber nicht nur Bücher bzw. Buchabbildungen im Buchhandelskatalog können getrackt und via App gleich bestellt werden. Zur Weihnachtszeit gab es in den Filialen Kalender, die Überraschungen für die Kunden bereithielten, zu Ostern konnten Ostereier in den Filialen aufgespürt werden. Für mich als Geocacherin genau das Richtige…

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Fazit

Die erste #VisDom war, wie von den Teilnehmenden und den Referenten in vielen Gesprächen zu erfahren war, ein voller Erfolg. Im nächsten Jahr wird daher Nummer 2 an den Start gehen. Als Anregung nehmen wir mit, dass die Veranstaltungsform das nächste Mal eher in Richtung BarCamp gehen sollte, eine Form, die sich, wie wir auf dem BibCamp8 in Leipzig erfahren konnten, erfolgreich etabliert hat. Auch die Mischung Wissenschaft-Buchhandel-Bibliothek wird beibehalten. Gerade das „über den Tellerrand schauen“ wurde von den Teilnehmenden als sehr inspirierend empfunden. Nach der #VisDom ist vor der #VisDom – wenn bereits jetzt Ideen existieren – her damit!

Linda Treude und Sabine Wolf