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Ich schlag mein Buch auf…

…und – Abrakadabra – sehe mehr als nur Sätze und Bilder! AR ist nun auch im Verlagswesen angekommen und erweckt damit die Bücher zum Leben!

Erste Beispiele aus der Verlagswelt kamen aus dem Kinderbuchbereich, wie z.B. das Buch „Comprendre comment ca marche“ des französichen Verlags Éditions Nathan oder ein Buch über Dinosaurier, erschienen bei arsEdition. Für den Heyne-Verlag augmentierten Augmented Minds 2011 das Cover zu „Ayla und das Lied der Höhlen“.

Carlton Books aus England gibt seit 2010 Bücher mit AR-Inhalten heraus und listet nach Eingabe des Suchbegriffs „Augmented Reality“ derzeit zahlreiche Titel auf. Einige dieser Titel liegen auch auf deutsch beim Kosmos-Verlag vor, wie z.B. „iSpace“ und „iDinosaur“. Diese Bücher wurden im letzten Jahr auch hierzulande von Bibliotheken erworben und begeistert auf Facebook vorgestellt und diskutiert. Bemerkenswert ist allerdings, dass schnell der eigentliche Inhalt in den Hintergrund tritt und nur noch die animierten 3D-Inhalte von Interesse sind – dies auch bei sonst sehr buch-affinen Kindern.

Das „Wonderbook: Book of Spells“ für die PS3 aus dem Jahr 2012 widmet sich der zauberhaften Welt von Harry Potter und verbindet die Buch- mit der multimedialen Spielewelt. „It has to be seen, to be believed“ ist der markige Werbespruch von Sony dazu. J.K. Rowling hat ihr OK dazu gegeben, also bleibt zu hoffen, dass sich tatsächlich das Tor in eine magische Welt öffnet… Nachfolgend der Werbetrailer dazu.

Seit Herbst 2014 erscheinen in der LeYo!-Reihe des Carlsen-Verlages Bücher, die um zusätzliche Informationen erweitert wurden. Auf der Website wird dieses neue Konzept erklärt. Es werden bspw. Geschichten vorgelesen, es gibt eine Durchblick-Funktion und es gibt einen interaktiven Spielmodus.

Die Reihe wurde in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „Eltern family“ erarbeitet.

Auch die Welt der Klassiker wie „Moby Dick“ und „Great Expectations“, beide erschienen bei Penguin Books, wurden mittels AR durch die in London ansässige Firma Zappar ebenfalls zum Leben erweckt:

Den Anfang im wissenschaftlichen Buchbereich machte im letzten Jahr die Emerald Group Publishing Ltd., die mit „Digital Humanities“ als erster wissenschaftlicher Verlag Inhalte ebenfalls anreicherten . Allerdings bleibt hier das Ergebnis klar hinter den Erwartungen zurück. Beim Scannen der AR-Bilder erschienen lediglich Interterviews – mehr leider nicht.

Umso erfreulicher ist das Nachziehen der Schulbuchverlage. „[…] das gedruckte Lehrwerk [wird] zum multimedialen Ereignis!“, so wirbt der Film auf der Website der Zoom-App für die Anreicherung des Englisch-Buches Camden-Maket aus dem Hause Diesterweg. Entwickelt wurde die dahinterstehende Technologie „App to look“ von KIDS interactive aus Erfurt, weitere Lehrwerke sind in Planung.

Es tut sich was! Endlich – möchte man meinen. Doch Skeptiker werden sofort mit dem erhobenem Zeigefinger darauf hinweisen, dass ein zuviel an Technik und mulitmedia-Inhalten nicht förderlich für das Lernen und Verstehen sei. Stimmt diese Befürchtung? Erinnert dies nicht ein wenig an die Diskussionen, die schon fast reflexartig geführt werden, sobald ein neues Medium auftaucht? Droht der eigentliche Inhalt wirklich im multimedialen Rauschen unterzugehen?

Vor Jahren erschien im Tagesspiegel ein Artikel, der, einfach zusammengefasst, die Aussage traf, dass Fernsehen die Schlauen schlauer mache und die Dummen dümmer. Und hier verhält sich bei AR, wie bei den meisten anderen Technologien und Medien, genauso. AR ist eine mächtige Technologie, die komplexe Zusammenhänge einfach darstellen kann. Sie ist jedoch, wie andere Technologien auch, ein Werkzeug. Es kommt jedoch darauf an, wie dieses Werkzeug genutzt wird. Ob wir es nutzen, um nur noch auf bunte Darstellungen zusammenhanglos herumzutippen oder um die bisherigen eindimensionalen, bildhaften Darstellungen zu veranschaulichen und so einen zusätzlichen Mehrwert zu gedruckten Inhalten für uns zu schaffen. Es liegt bei uns.